Kunst in der Praxis

Zahnarzt Praxisgemeinschaft Schönberg und Stolze Köpenick (Berlin)Einblick in ein Behandlungszimmer

Laudatio anlässlich der Vernissage in der Zahnarztpraxis Schönberg/ Stolze im Forum Köpenick – 09. Mai 2012

Der Ort
Die Kunst
Der Mensch

Liebe Gäste, liebe Gastgeberinnen,

diese drei Schwerpunkte werden meine kleine Rede für Sie bestimmen und ich freue mich sehr, dass der Schweizer Künstler Charlie Lutz heute hier anwesend ist.

 Der Ort:

Vielleicht ungewöhnlich, Kunst in einer Zahnarztpraxis auszustellen, denn wie anders klingt es, ob man sagt: „ Ich muss heute zum Zahnarzt!“ oder „Ich gehe jetzt in eine Galerie!“
Wie Sie selbst sehen können: Diese Praxis ist ein guter Ort für Bilder.  Die hellen, großzügigen Räume, die klaren Strukturen dieser modernen Praxis, die typische technische Ausstattung ergeben ein interessantes, von Zimmer zu Zimmer unterschiedliches und dabei immer sehr spannungsvolles Miteinander.
Und gestatten Sie mir diesen Nebensatz: Ich persönlich nehme  mit Freude wahr, dass man hier auf Bilder  schaut  und nicht auf einen ewig dudelnden Flachbildschirm.
Ja, dies ist ein guter Ort für

 Die Kunst:

Kunst in der Praxis, wie es auf den für diese Ausstellung von Charlie Lutz gestalteten Terminkärtchen heißt, seine Kunst in dieser  Praxis schafft eine wohltuend distanzlose Nähe zwischen Betrachter und Bildwerk, hebt die Kunst vom elitären Sockel.
Selbst wenn es eher zufällige Begegnungen werden, ob im Wartebereich oder bei der Behandlung, immer kommt es einer Einladung gleich, sich auf die ausgestellten Bildwelten einzulassen.
Wir sehen Zeichnungen, Malerei und Objekte von Charlie Lutz.
Doch was sehen wir? Wie gut  können wir sehen?

Wenn man sich auf die Begegnung mit einem Bild einlässt, dann kann es gelingen, ein neues Fenster zur Welt zu öffnen. Die Bilder, Zeichnungen und Objekte von Charlie Lutz laden zu dieser Art Begegnung ein. Kein Abbild der Realität erwartet den Betrachter, sondern ein Abformen ihrer Spuren, der sichtbaren wie der unsichtbaren.
Wir sehen die Figur als Konzept, die Linie, die nach ihr sucht, sie zeigt und zugleich verbirgt, fast wie Spuren von Erinnerungen, – ein Verweilen der Zeichen  und Formen auf dem Malgrund, ob Papier, Holz, Leinwand oder Acryl.
Und ungebunden an Titel oder Künstlerkommentar wird jeder Betrachter, werden Sie, liebe Gäste und Gastgeberinnen, zum Vollender der Gestaltung.
Ein Liebespaar in inniger Umarmung, eine einsame Figur auf ihrem Weg oder die Unruhe auffliegender Vögel und vieles mehr kann man sehen, wenn man das Figurative, das Gegenständliche erkennen will. Mit anderen Augen erfasst man eher die Kraft der Linien, Strukturen und Zeichen in ihrem Ringen um die Harmonie im Format.
In der Malerei sind es die Farben in ihrer Klarheit, die zusammen mit Duktus und Kontrast immer wieder Assoziationen beleben, die der Betrachter vollendet. Mitunter ist es auch einfach nur die Art, wie die Farbe die Fläche beherrscht, mit ihr um die Form ringt, sie erschafft.
Charlie Lutz malt so etwas wie Seelenlandschaften, die immer wieder Neues von sich erzählen, sich zu verändern scheinen, wie man sich selbst zu verändern scheint, wenn man sie nur lang genug betrachtet.
Dies gilt schlussendlich auch für die Arbeiten aus Plexiglas. Der spröde Reiz der linearen Spuren im ungewöhnlichen Material hält den Blick fest. Die farbigen Bildwerke mit ihrer grellen, überraschenden Leuchtkraft  schaffen  es, den Betrachter zu einer aufgeschlossenen, sinnestrunkenen Heiterkeit zu verleiten und zum Staunen. Und diese  kindliche Freude am Staunen, liebe Anwesende, ist letztlich noch immer ein wesentliches Moment von Kunstgenuss!

 Komme ich schlussendlich zum Menschen selbst.

Der Schweizer Künstler Charlie Lutz stammt aus Graubünden, lebt heute als freischaffender Künstler in Sarnen im Kanton Obwalden und hat einen künstlerischen Lehrauftrag in Zug. Ausstellungen in der Zentralschweiz, in Graubünden, Zürich, Solothurn und Madrid weisen seinen künstlerischen Erfolg nach.
Einen persönlichen Höhepunkt stellte das Innerschweizer Atelierstipendium dar, welches  Charlie Lutz 2011 zugesprochen wurde. Eine wunderbare Möglichkeit, Berlin und die schier uferlose Kunstlandschaft an der Spree auf besondere Weise kennenzulernen. Vier Monate lebte und arbeitete er in der Auguststraße in Berlins Mitte. In dieser Zeit stellte er seine künstlerische Arbeit selbstkritisch in eine Reihe mit all dem, was in Berlin an Kunst in vier Monaten zu entdecken ist. Dabei ging es Charlie Lutz auch darum, in einer der wichtigsten europäischen Kunstmetropolen den eigenen künstlerischen Standort zu bestimmen. Und er fand sich in dem, was er tut, bestätigt und bestärkt darin, seinem eigenen künstlerischen Weg  treu zu bleiben und ihn konsequent weiter zu verfolgen.
Nach Weimar, wo er vor wenigen Wochen seine Kunst präsentierte, ist die heute zu eröffnende Ausstellung  die zweite in Deutschland.
Doch es ist seine erste in Berlin!  In der Stadt, die ihm inzwischen sehr ans Herz gewachsen ist.

Freuen wir uns mit ihm, Liebe Gäste und Gastgeber!
Herzlich Willkommen in Berlin, Charlie Lutz, und dieser Ausstellung viel Erfolg!

Karin Danyel als Laudatorin

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